Donauwörther Zeitung vom 25.11.2009

Zwischen Traurigkeit und Freude: „Naschuwa“ gastierte im Kolping-Bildungszentrum im Rahmen der Osteruopäischen Kulturtage

Donauwörth. Wie ist das, wenn deutsche Christen jüdische Musik machen? Die zahlreichen Besucher des Konzertes der Gruppe „Naschuwa“ am vergangenen Sonntag im Rahmen der Osteuropäischen Kulturtage bei Kolping wissen es nun. Thomas Damm (Gitarre, Komposition), Matthias Helms (Geige, Gesang), Peter Netta (Kontrabass) und Rainer Ortner (Akkordeon) waren eigens aus ihren jeweiligen Wohnorten in Nordrhein-Westfahlen und Rheinland-Pfalz angereist, um – trotz eigentlich auftrittsfreier Zeit – zur Feier des 15-jährigen Jubiläums der Kolping-Kulturtage nach ihrer Teilnahme in 1994 und 1995 dabei zu sein. „Für Donauwörth machen wir eine Ausnahme“, hatten die Musiker auf die Einladung der Organisatorin, Gabriele Fischer, geantwortet und standen nun also – zur Freude aller Beteiligten – auf der Bühne des Kolping – Saales. Die instrumentale Klezmer-Musik, jiddische und hebräische Lieder standen auf dem Programm. Und schnell wurde deutlich, dass hier Leute musizierten, die ihr Wissen über jüdische Musik nicht allein aus Büchern bezogen hatten, sondern dass es sich – insbesondere Bei Matthias Helms und Thomas Damm, den Gründern des Ensembles – um echte Kenner der jüdischen Kultur inklusive deren Sprachen Jiddisch und Hebräisch handelte. Immerhin haben die beiden evangelischen Pfarrer zeitweise in Tel Aviv studiert und gemeinsam Israel und Palästina bereist. Neben alten Liedern und Weisen, liturgischen Gesängen wie „Adon Olam“ und zeitgenössischen Stücken hebräischer Liedermacher gab es auch Eigenkompositionen im jüdischen Stil zu hören. Besonderen Eindruck hinterließ ein Stück Thomas Damms, dessen Titel wohl im Deutschen „Das kleine Bübchen“ lauten würde. Während der erste Teil im Dreivierteltakt gehalten war, mit besonderer Schwermütigkeit, und gemessen voranschreitendem Charakter durch die Betonung der Schläge eins und drei, zeichnete sich der zweite Teil des Stückes durch übermütige Fröhlichkeit und tänzerische Leichtigkeit im Viervierteltakt aus. Somit entspricht es genau dem von Matthias Helms beschriebenen Spannungsfeld jüdischer Musik zwischen Traurigkeit und Freude. Überhaupt machten die Zwischentexte – neben der sehr schönen Musik – den ganz besonderen Reiz des Konzertes aus. Ohne zu belehren, vermittelte meist Matthias Helms interessante Einblicke in das jüdische Leben, die Sprache, die Religion und das jüdisch-christliche Verhältnis. Nebenbei erfreute Helms das Publikum auch durch gekonnt und mit jiddischem Zungenschlag vorgetragene jüdische Witze – von seinen hervorragenden Sangeskünsten ganz zu schweigen. Wie ist das also, wenn deutsche Christen jüdische Musik machen? Im Falle von „Naschuwa“ jedenfalls musikalisch überzeugend, mitreißend, interessant, informativ, entspannt und fern jeder Anbiederei, sondern in freundlicher Annäherung an eine Kultur, zu der wir Deutschen wohl noch lange ein spannungsreiches Verhältnis haben werden. In den Westfälischen Nachrichten vom 28. April 2006

Besonderer Beitrag zum christlich-jüdischen Dialog

Nottuln. Die Folk-Band Naschuwa gibt auf Einladung des Vereins Kunst + Kultur Nottuln am 7. Mai (Sonntag) um 17 Uhr ein Sonderkonzert im Forum des Gymnasiums. Ihre nun bald 20-jährige Konzerttätigkeit hat die Band immer wieder in den Heimatort von Bandmitbegründer, Gitarrist und Komponist Thomas Damm geführt.
Mit Sänger und Geiger Matthias Helms, dessen Alt-/Neuhebräisch- und Jiddisch-Kenntnisse den Hintergrund für die authentische Präsentation der Lieder und Zwischentexte bilden, gründete Thomas Damm Naschuwa 1987. Damals studierten beide evangelische Theologie und bereisten Israel und Palästina gemeinsam. Helms verbrachte zwei Jahre in Israel.
Vor sechs Jahren erweiterten zwei Musiker aus Münster das Spektrum der Band: Rainer Ortner (Akkordeon) und Peter Netta (Kontrabass). Nettas persönliche Erfahrungen als Kind in der Nazi-Zeit machen ihn zu einem Zeitzeugen, der das Anliegen Naschuwas noch einmal vertieft, heißt es in der Presseinformation: Die Musiker nehmen ihr Publikum mit auf eine Reise in die fast verloren gegangene jiddisch- europäische Welt, in die Welt des Ghettos und des Shtetls, aber auch in die religiöse und politische Welt Israels und des amerikanischen Judentums.
Der jüdische Humor kommt auch nicht zu kurz, und immer wieder füllen Klezmer-Klänge den Konzertsaal. So gelingt es Naschuwa, auf beschwingte, bewegende und emotionale Weise ein Zeugnis abzugeben für ein Deutsch-Sein, das die bitteren Kapitel der Geschichte nicht vergisst, aber auch nicht moralisiert, und zugleich gegen Fremdenfeindlichkeit heute Stellung nimmt. Das bescheinigte den Musikern auch der kürzlich verstorbene Bundespräsident Johannes Rau in einem Brief: Ihre Bemühungen, uns mit Klezmer-Musik und hebräischen und jiddischen Liedern eine zerstörte Kultur, die einmal fester Bestandteil unseres Kulturlebens war, wieder nahe zu bringen, begrüße ich sehr. Ihr besonderer Beitrag zum christlich-jüdischen Dialog, Ihre Appelle gegen Antisemitismus, Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit verdienen Anerkennung und Hochachtung. Vor diesem Hintergrund erwartet die Hörer ein beschwingtes, fröhliches Konzert mit nachdenklichen Untertönen.

Naschuwa bei "Rock for Moc"
Jüdische Musik aus Recklinghausen, Münster und Rodalben auf kirchlichem Jugendfestival in Schweden

Mitten im Nirgendwo, 3 Autostunden von Stockholm, entsteht jedes Jahr im Spätsommer eine bunte Zeltstadt. Riesige Bühnen werden aufgebaut, Technik vom feinsten aufgefahren, ein Café mit langer Theke und riesigen Essensvorräten eingerichtet. "Rock for Moc" ist der Anlaß, ein kirchliches Musikfestival für junge Menschen, das inzwischen schon zum 14. Mal stattfindet. Der erste Tag steht im Zeichen der Begegnung von Jugendlichen und MitarbeiterInnen der lutherischen Kirche, PastorInnen, GemeindereferentInnen, PresbyterInnen und allen, die etwas mit Jugendarbeit zu tun haben. Hier lernen sie in Seminaren, Gesprächen, Theaterstücken und Workshops die Welt der Jugendlichen neu kennen, diskutieren Konfirmandenprojekte und lassen sich über neue Jugend-Trends informieren. Abends dann kommen bis zu 1000 weitere Jugendliche aus dem ganzen Kirchenkreis (Stift Västerås), der so groß ist wie unsere Landeskirche, und hören ihre Lieblingsbands, feiern Gottesdienst, essen, trinken, reden, feiern zusammen, gehen spazieren, schwimmen im See und übernachten in ihren Zelten.
Zu dem beliebten Festival ist dieses Jahr auch die Recklinghäuser, Münsteraner und Rodalbener Band "Naschuwa" eingeladen worden, und hat bei Rock for Moc 2 Konzerte gegeben. Die Organisatoren hatten Naschuwa beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin gehört und kurzerhand nach Schweden eingeladen. Die Aufnahme der ausländischen Gäste aus Deutschland und ihrer fremden, jüdischen Musik war zugewandt, freundlich, interessiert. Jüdische Musik und Kultur ist bei "Rock for Moc" bisher noch ganz unbekannt gewesen. Den Veranstaltern geht es darum, den Jugendlichen nicht nur bekannte und beliebte Bands zu präsentieren, sondern auch ihren Horizont zu erweitern.
Der Zuspruch auf Seiten der Jugendlichen spricht für das Konzept von Rock for Moc. Sie kommen in Scharen. Und sie erleben, dass die Kirche nicht nur für ältere Menschen da ist. Durch ein durchdachtes System von Sponsoring und Fundraising trägt sich Rock for Moc übrigens nicht nur selbst, jährlich wird der Erlös nach Mocambique (Moc) gespendet, wofür sich der Botschafter aus dem armen afrikanischen Land persönlich sehr bedankt hat; nicht nur beim Bischof, der sich ein Stelldichein gegeben (und Naschuwa wieder eingeladen) hat, sondern besonders auch bei den Jugendlichen. Für Naschuwa war diese Einladung eine Erfahrung der besonderen Art. Danke Rock for Moc!

In der Rheinpfalz vom 15.11.2005 schreibt Ellen Korelus-Bruder über das Naschuwa-Konzert in Speyer, Ev. Johanneskirche, Pfalz, am 13.11.2005 unter dem Titel:
"Erinnern ohne Scham und schlechtes Gewissen Die Gruppe "Naschuwa" erzählt mit Musik von Trauer und Fröhlichkeit des jüdischen Volkes - Gedenken an Reichspogromnacht":

Einen besonderen musikalischen Leckerbissen bot Pfarrerin Corinna Schauder am Sonntagabend zum diesjährigen Abschluss der Reihe "Kunst im Turm" in der Speyerer Johanneskirche: Zur Erinnerung an die Reichspogromnacht am 9.November 1938 erzählt die Gruppe "Naschuwa" mit Klezmer-Musik, jiddischen und hebräischen Liedern von Leben und Sterben, Trauer, Humor und Fröhlichkeit eines Volkes, dessen Musik und Sprache bis heute lebendig sind.
Vier ausgezeichnete Musiker, eine Geige, eine Gitarre, ein Akkordeon, ein Kontrabass sowie die eindringliche Stimme von Pfarrer Matthias Helms führten und "bewegten" die zahlreich erschienenen Besucher mit ihrem Programm "das leben is a tants" durch jüdische Welten, in denen niemand sich so ganz ernst nimmt, Traurigkeit und Lachen nahe beieinander liegen. Von den beiden Pfarrer des Quartetts, Thomas Damm (Gitarre) und Matthias Helms (Geige), selbst komponierte, ehemals von "Klezmorim" auf Hochzeiten gespielte Instrumentalmusik trug das Quartett eindrucksvoll wie musikalisch hochklassig vor.
In perfektem Jiddisch, Hebräisch und Ivrit (Neuhebräisch) erzählte und sang Helms die zumeist aus Ost- und Mitteleuropa überlieferten Geschichten jüdischen Alltags. Über den Besuch der "grinen Kuzine" aus Amerika, die Schwierigkeiten, die richtige Frau zu finden, den Schabatt, Frieden, Verfolgung, Armut, Tod oder Widerstand berichteten "Naschuwa" überaus authentisch. Peter Netta, Kontrabassist und ehemaliger Musiklehrer, stellte als einziger Zeitzeuge des Quartetts "Zum Lebn" vor, ein mit Klezmer-Anteilen vorgetragenes Stück aus dem in Konzentrationslager für ein Kabarettprogramm entstandenen Widerstandslied " Wir leben ewig". Und "Kinderlech", das von der Vergänglichkeit der Zeit erzählt. Rainer Ortners Akkordeon weinte und lachte zum gemeinsam von "Naschuwa" und Publikum intonierten "Hava Nagila".
"Naschuwa" (=Lasst uns umkehren) hat einen beeindruckenden Weg der Erinnerung gefunden: voller Achtung, ohne Scham und schlechtes Gewissen.

Halterner Zeitung vom 11. November 2002
Stehende Ovationen für "Naschuwa"
In Erinnerung an die Reichspogromnacht hatten Evangelische Gemeinde und Stadtagentur am Samstag in der Erlöserkirche ein Konzert mit jüdischer Musik organisiert. Die Gruppe "Naschuwa" machte aus dieser Vorgabe einen außergewöhnlichen Abend. Die jüdische Musik hat die Eigenschaft, Traurigkeit und Freude in Harmonie miteinander zu verbinden, und so wurde in Erinnerung an ein schreckliches Kapitel der deutschen Geschichte dennoch zu einen Ereignis voller Freude. Gleichlautend mit ihrer neuen CD hieß das Programm der vier Musiker "dos lebn is a tants". Um begreiflich zu machen, was gemeint sei, ließ Sänger Matthias Helms sein Publikum das "Hava Nagila" singen. Um es richtig zu singen, bedurfte es einer Erläuterung, die vor sanfter Ironie und Lebensfreude sprühte. "Uru achim belef sameach - Wacht auf, Brüder (und Schwestern), habt Freude im Herzen!" Klagende Liebeslieder folgten auf swingende Klezmer-Rhythmen, melancholische Gesänge voller Weltschmerz und Weisheit wechselten mit ausgelassenen Hochzeitstänzen. Ohne sentimental zu werden, richtete "Naschuwa" den Blick auf die Vertreibung und die Vernichtung der Juden in Europa ebenso wie auf den nicht endenden Konflikt im Nahen Osten. Eine Brücke zwischen Christen und Juden zu schlagen, in Geschichten und vor allem mit Musik eine Kultur zu vermitteln, die zwar heftig bekämpft wurde, aber dennoch niemals untergegangen ist; das hat sich Naschuwa zum Ziel gesetzt. An der Begeisterung ließ sich ablesen, dass sie an diesem Abend ihr Ziel erreicht hat.

Konzert-Rezension von Reiner Henn, in: Rheinpfalz vom 11. Juni 2002
Musik macht Musiker zum Medium. Klezmer-Klänge in der Rochuskapelle Hohenecken
"Was ist Klezmer?" Selbst in vielen Lexika findet sich nichts über die verstärkt ins Interesse rückende Musiktradition der Klezmorim. Diese Kardinalfrage wurde am Sonntagabend in der Rochuskapelle Hohenecken eindrucksvoll beantwortet: eine im osteuropäischen Judentum entstandene Musik in typischen Tonarten, charakteristischer Besetzung und bestimmter Idiomatik und Stilistik. Genauer: Die Zigeunertonleiter (harmonisches Moll mit hochalterierender Quarte) sorgt für ungewohnte melodische Wendungen und harmonische Spannungen. Die Besetzung ist für musikalische Dialoge zwischen den Melodieträgern und Gegenspielern wie hier Geige (Matthias Helms) und Akkordeon (Rainer Ortner) ein idealer Nährboden, auf dem ein swingender Bassrhythmus (Peter Netta, Kontrabass) und ein pulsierender Notenflug von Achtelrhythmen der Gitarre (Thomas Damm) bestens gedeiht. Wenn sich auch bei den Vortragsfolgen des Klezmer-Quartetts traditionell überlieferte und selbst komponierte Stücke mischen, so ist doch allen gemeinsam das ideenreiche Arrangement von Thomas Damm, der nicht auf stereotype Wendungen, sondern auf ideenreiche konzertante Bearbeitung setzt. Typisch und stilbildend ist das ständige Wechselspiel aus elegischen und ekstatischen, von melancholisch-schwermütigen und tänzerisch beschwingten Elementen, die oftmals nahtlos ineinander übergehen. Dieser Dualismus - textlich und musikalisch - prägt diese Musik ebenso wie typische melodische Wendungen und rhythmische Finessen. Schließlich zeigen südamerikansche Rhythmen und zeitgenössische Stilelemente, wie offen und lebendig Klezmer war und ist. Jiddische, hebräische Lieder und Klezmer-Musik ergaben eine bewegende musikalische Reise auf den Spuren des Judentums. Bemerkenswert, dass dieses Ensemble als "Nichtjuden" die musikalische Auseinandersetzung mit jüdischer Kultur sucht und versucht, Aversionen gegen Minderheiten oder Fremde ad absurdum zu führen. Der Funke der musikantischen Begeisterung sprang auf Anhieb auf die vielen Besucher über, die von der Rochuskapelle nicht alle beherbergt werden konnten, so dass viele im Freien vor dem Eingang ausharrten und die Zeit vergaßen. Die Interpreten hinterließen den Eindruck, dass sie nicht nur selbst aktiv musizieren, sondern die Musik sie ergreife, erfülle und sie so selbst zu Medium mache. Diese Ergriffenheit und das ständig spürbare Bemühen, das Können in den Dienst dieser religiösen Idee und Botschaft zu stellen, waren die eigentliche Faszination des Konzertes, weitab von Routine.

Rezension von Kurt Rainer Klein, in: Deutsches Pfarrerblatt 5/2001
Uneingeschränkt empfehlenswert
Die beiden Freunde Matthias Helms (Geige und Gesang) und Thomas Damm (Gitarre) haben mit Rainer Ortner (Akkordeon) und Peter Netta (Kontrabass) nun eine CD mit sechzehn jüdischen Liedern (Klezmer, hebräische und jiddische Lieder) eingespielt, die einfühlsam produziert wurde. Mit einer Stimme, die in ihrer Klarheit verständlich ist und die Stimmungen feinfühlig zu transportieren versteht. Mit einem Arrangement, das nirgends überladen wirkt, die Tempi und Rhythmen beherrscht. Mit Instrumenten, die sich gegenseitig unterstützen und tragen. Mit Texten, die jüdische Tradition und Geschichte zu Klingen bringen... Die Musik dieser CD spannt ein weites Gefühlsnetz. Es werden die unterschiedlichsten Stimmungen transportiert, die eigentümlich anrühren. Da werden Lebenserfahrungen an die Kinder weitergegeben: Das nachdenkliche und im Refrain fröhlich-ermutigende, zu Tanzen anregende „huljet huljet kinderlech“ weiß davon, dass der Lebensfrühling vom Lebensabend nur ein Katzensprung entfernt ist. Da heißt es, jeden Augenblick des kurzen Lebens auskosten. Das melancholische „oifn pripetschik“ erzählt von jüdischen Kindern, die bei ihrem Rabbi Hebräisch lernen, um die Tora zu lesen, die Kraft und Trost zu schenken vermag, wie die Vorfahren es erlebt haben. Daneben verstehen es die instrumentalen Stücke mit ihren der jüeischen Musik eigentümlichen offenen Tonskalen, die Gefühle des Zuhörers zum Schwingen zu bringen und seinen freien Gedankenfluss in Gang zu setzen. „nign fun de tsigajner“ zjm Beispiel ist als treibende Melodie ein Gebet ohne Worte zu Gott. Es mag verwundern, dass jüdische Musik von solcher Ausdrucksstärke von christlichen Musikern gemacht wird. Helms und Damm führen ein musikalisches Gespräch mit Juden und jüdischer Kultur und rufen in Erinnerung, was einmal in unserem Land sehr lebendig gewesen ist und Land und Leute in Deutschland mitprägte. Sie setzen auch ein Signal gegen Antisemitismus jeglicher Art. Sie spielen auf Einladung in Kirchengemeinden, auf Kirchentagen und zu kulturellen Veranstaltungen. Ihre CD und Musik ist eine Anfrage an unsere Dialogbereitschaft, Toleranz und Verstehen der Wurzeln unserer christlichen Religion. Wer sich darauf einlässt, wird wunderbar angerührt in einen Dialog mit seinem Gott hineingeführt- uneingeschränkt empfehlenswert.

Rezension von Cornelia Zeisig in: Pfälzisches Pfarrerblatt 3/2001
Jüdischer Alltag wieder lebendig
Nun ist die zweite CD der beiden Musiker und Pfarrer Matthias Helms aus Rodalben und Thomas Damm aus Münster erschienen - ein Ohrenschmaus und eine musikalische Entdeckung für alle, die sich von jüdischer Musik ansprechen lassen. In ihren jiddischen Liedern wird der jüdische Alltag wieder lebendig, die täglichen Freuden und Pflichten ebenso wie das Zusammenleben im Schtetl und die bedrückenden Erfahrungen des Ghettos und der bevorstehenden Vernichtung. Die Klezmermusik dieser CD besteht zu einem großen Teil aus eigenen Kompositionen. Hier ist zu spüren, wie sehr beide Musiker von den Harmonien und Stimmungen der jüdischen Klangwelten durchdrungen sind. Es gelingt ihnen, eigene Lebenssituationen in die „Sprache“ der Musik zu übersetzen. Den dritten Teil der Einspielungen bilden die Stücke aus der synagogalen Liturgie. Durch die sorgfältigen Kommentare im Begleitheft werden wir in die Lage versetzt, zentrale gottesdienstliche Melodien und Gesänge kennenzulernen. Zu der Vielfalt der musikalischen Traditionen tritt die Vielfalt der Instrumentierung: neben Geige und Gitarre wird der Klang durch Akkordeon und Kontrabass abgerundet. Seit mehr als dreizehn Jahren spielen und singen Naschuwa miteinander - ihre Freude und ihre Kenntnis jüdischer Musik muss man gehört haben!

Pirmasenser Zeitung vom 30.10.2000
Das Folkduo „Naschuwa“ begeisterte die Besucher in Herschberg
Das Folkduo „Naschuwa“ gibt es schon seit 13 Jahren. Damals schlossen sich die Theologiestudenten Matthias Helms und Thomas Damm zusammen, um mit Hilfe jiddischer und hebräischer Lieder ihre Sprachkenntnisse in Hebräisch zu verbessern. Damals ahnten beide nicht, dass daraus einmal eine Gruppe werden würde, die vor Publikum auftritt und ihren Zuhörern Beifallsstürme entlockt, wie es am letzten Freitag in der Bürgerhalle in Herschberg der Fall war. Helms (Violine) und Damm (Gitarre) hatten sich an diesem Abend mit dem Akkordeonspieler Rainer Ortner verstärkt. Das Trio musizierte mit einer unerhörten Leichtigkeit. Einfachste Mittel wie Fingerschnalzen oder der sparsame Einsatz von Schlaginstrumenten unterstrichen die instrumentalen Fertigkeiten der drei Musiker. Damm beherrschte virtuos seine Gitarre, Ortner blieb mit seinem Akkordeon stets wohltuend im Hintergrund und bei Helms wussten die Zuhörer nicht, was sie mehr bewundern sollten: sein kunstvolles Spiel auf der Violine, seine sängerischen Fähigkeiten oder sein umwerfend komisches Talent, die Leute zu unterhalten. „Wir wollen in unseren Konzerten den Leuten zeigen, dass es sich nicht lohnt, mit hängenden Mundwinkeln durchs Leben zu gehen“, machte Helms während des Konzerts dem Publikum die Philosophie des Trios immer wieder deutlich. „Gerade in Deutschland neigen viele Menschen häufig dazu, sich nicht recht zu trauen, ganz einfach fröhlich zu sein. Wir möchten dem ein wenig entgegenwirken. Außerdem wollen wir den Leuten dabei helfen, von ihren Vorurteilen, aber auch von einem diffusen Schuldbewusstsein bezüglich unserer Geschichte weg zu kommen.“ Das dürfte den drei Musikern an diesem Abend bestens gelungen sein. Die Zuhörer waren über das reichlich lange Programm jeden falls entzückt und spendeten entsprechend Beifall. Natürlich wurde die geforderte Zugabe gern gewährt.

Münsterische Zeitung vom 6.11.1999
Als die Synagogen brannten - Jüdische Musik mit „Naschuwa“ zur Reichspogromnacht
Anläßlich des Gedenktages veranstaltet der Kulturverein Nottuln ein Konzert mit jüdischer Musik. Am 9. November, 20 Uhr in der Alten Amtmannei tritt das Folkduo „Naschuwa“ auf, zwei Musiker, die ihr Publikum auf eine Reise durch vergessene und gegenwärtige jüdische Welten mitnehmen wollen. Auf dem Programm stehen jiddische Lieder, hebräische Lieder und Klezmer-Musik. Die Lieder erzählen Geschichten vom Alltagsleben im jüdischen Stetl, von der Liebe, vom Leiden in der Unterdrückung, aber auch von Israel-Palästina und dem Wunsch nach Frieden. Die traditionellen und modernen Klezmerstücke - eine jiddische Mischung von Folk und Jazz - transportieren Fröhlichkeit und Lebendigkeit. Die Stärke der beiden Musiker Thomas Damm, Münster (Gitarre, Gesang), und Matthias Helms, Rodalben (Geige, Gesang), die seit zehn Jahren zusammen spielen und auftreten, liegt in der Lebendigkeit und Authentizität, mit der sie ihre Stücke präsentieren. Man spürt ihnen die intime Kenntnis des Judentums sowie ihr gesellschaftspolitisches Engagement ab. Beide Theologen verstehen es, ihrem Publikum Fremdes und Vertrautes in einer Dichte nahezubringen, die begeistert und zugleich betroffen macht. Über kurze Life-Einspielungen im WDR-Hörfunk und im Bayrischen Fernsehen hinaus hat sich das Folkduo Naschuwa mit ihrer CD „shmire shteyn“ einen Namen gemacht. Eines ihrer schönsten und wichtigsten Konzerte haben beide eigenen Angaben zufolge im vergangenen September in der ältesten und wichtigsten Synagoge Deutschlands, in der Großen Synagoge Worms, gegeben.

Rheinpfalz vom 16.11.1998
Eine Welt wird über Musik lebendig
... Matthias Helms und Thomas Damm verstanden es in beeindruckender Weise, das nicht vertraute Liedgut dem Zuhörer verständlich zu machen. Lieder wie „Baj mir bistu shejn“, „If I were a rich man“ aus Anatevka oder „Hava Nagila“ waren die etwas gängigeren Melodien. Doch das Repertoire der beiden Pfarrer ging weit darüber hinaus. Sie trugen hebräische Lieder aus dem heutigen Israel und liturgische Stücke aus dem Synagogengottesdienst genauso überzeugend vor wie die jiddischen Lieder aus vergangenen, ausgelöschten jüdischen Welten in Osteuropa, sowie Klezmer, das heißt Instrumentalstücke, die - aus dem osteuropäischen Judentum kommend - in Amerika mit dem Jazz verschmolzen sind. „Naschuwa“ ist es ein Anliegen, in Erinnerung an die eigene Geschichte und Gegenwart dem Besucher diese Welt vor Augen zu rufen, eine Welt, die über die Musik besonders lebendig wird. Das alles hat der Zuhörer am Freitagabend auch so verstanden. Meisterhaft haben es die beiden Musiker auch verstanden, das Publikum ins Geschehen mit einzubeziehen. Der Beifall sowie der Wunsch nach einer Zugabe sind ein Beweis dafür, dass dieser Abend nicht spurlos an den Besuchern vorübergegangen ist.

Tagespost Speyer vom 27.11.1995
Klezmer für Kenner
„Naschuwa“, das jiddisch-hebräische Klezmer-Folkduo in Person zweier Vikare, vollendete mit einem Konzert in der Johanneskirche eine dreistufige Gemeinde-Information. Dem Vortrag über jüdisches Leben und dem Heidelberger Synagogen-Besuch setzten Matthias Helms und Thomas Damm mit ihrer Musik die Krone auf. Helms arbeitet an der Johanneskirche. Eine einfühlsame Violine beherrscht er spielerisch in allen Lagen, das ist wörtlich zu nehmen. Und er singt mit einer Inbrunst und Intimität unter ausgiebigem Einsatz von Mimik und Gestik, daß die Zuhörer - zugleich Zuschauer - sofort in seinen Bann gezogen werden. Mit Thomas Damm, aus Münster angereist, ist er seit Studientagen befreundet. Dieser ist auf der Gitarre seinem Partner technisch ebenbürtig - die Finger fliegen über die Saiten, und jeder Griff sitzt perfekt. Perfekt auch der immer wechselnde Rhythmus, mit dem er für Matthias Helms den Boden bereitet. Die zwei protestantischen Theologen haben es sich zur Aufgabe gemacht, an das Leid der Juden, von Christen verursacht, zu erinnern und Menschlichkeit im Umgang mit dem Fremden anzumahnen. Ihre aus kleinen Anfängen entwickelte Musik ohne elektronischen Hilfen ist längst aus dem Laien-Stadium heraus. Da bieten zwei Könner einen Spitzen-Beitrag „fremder“ Musik-Kultur, der gerade für unsere Stadt und ihre von Juden mitbestimmte Geschichte ein Glücksfall ist.

Westfälische Nachrichten vom 2.4.1992
Naschuwa - Konzert mit jüdischen Liedern
Mit ungewohnter Musik begeisterte das Folkduo Naschuwa am Dienstagabend in der evangelischen Kirche „Unter dem Kreuz“. Die beiden Theologiestudenten Matthias Helms und Thomas Damm präsentierten eine interessante Mischung aus jüdischen und jiddischen Liedern. Rund 50 Besucher lauschten den beiden Virtuosen. Ihr Repertoire reichte von tiefreligiösen bis hin zu jazzähnlichen Werken (Klezmer).